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Lippische Landeszeitung, Freitag, 18. April 2003 
Der Topf ist das Maß der Dinge
Georg Clasbrummel setzt bei der Geflügelzucht besondere Prioritäten
Leopoldshöhe-Bechterdissen (sew). Schönheit oder Topfmaß? Diese Frage hat Georg Clasbrummel längst für sich beantwortet. Bei dem 53-Jährigen geht die Liebe durch den Magen. Was nicht ausschließt, dass die so Gewürdigten nicht auch mal eine andere tragende Rolle spielen dürfen. Clasbrummel brütete die Idee für das erste Hühnerrennen in der Bundesrepublik aus. Zurzeit allerdings macht die Geflügelpest dem "Geflügel-Promoter" einen dicken Strich durch die Rechnung.
Die Videokassetten belegen den Erfolg der witzigen Idee, die den Rassegeflügelzuchtverein Schuckenbaum vor einigen Jahren ins Fernsehen brachte. Kein Wunder, schließlich stand der Spaß für Mensch und Huhn im Vordergrund. Feste Regeln setzen dem Ehrgeiz der Rennhuhn-Besitzer Grenzen. Nudeln oder Würstchen als Lockmittel sind erlaubt - scheuchen wird mit Disqualifikation geahndet.
Der Erfolg machte Clasbrummel Mut. In diesem Jahr plante er, ein Rennen in Belgien zu organisieren. Doch daraus wird nichts. Die Furcht vor der Ausbreitung der Geflügelpest, die zurzeit vor allem in den Niederlanden grassiert, erstickt die internationalen Ambitionen des Bechterdissers vorerst im Keim. Wie weitreichend die Angst des Geflügelliebhaber ist, zeigt ein Blick in den Nebenraum, wo es leise in der Ecke piept. Statt auf die bewährte Brutstation seines Vereinskollegen zurückzugreifen, schaffte sich Clasbrummel eine eigene "elektrische Glucke" an. "Wir wollen jede Gefährdung ausschließen und trennen deshalb unsere Bestände strikt voneinander", sagt der Bechterdisser. Im Styroporkasten werden 40 Eier regelmäßig gewendet und gleichmäßig gewärmt. Nach drei Wochen schlüpft der Nachwuchs. Diese Methode hat außerdem den Vorteil, dass die Hennen mehr Eier legen. Versteift sich eine aufs Glucken, ist das Eierlegen erst mal vorbei. "Diesen Instinkt haben die Hühner heute aber auch fast gar nicht mehr. Das hat man rausgezüchtet", erklärt der Fachmann.
Die unterschiedlichen Brut- Methoden führen zum gleichen Ergebnis. Fünf flauschige Australorps- Küken sind bereits geschlüpft und drängen sich in einem Auslauf unter der Wärmelampe zusammen. Clasbrummel nimmt vorsichtig ein Federknäuel in die Hand. "Kräftige Schenkel und große Füße - beste Voraussetzungen für die Rennbahn ", sagt er mit einem Augenzwinkern.
Die Bedürfnisse der flotten Hennen erforschte der Bechterdisser bereits in frühester Jugend. Vor fast 40 Jahren finanzierte er Küken und Futter von seinem Taschengeld. Die .Eier kaufte ihm seine Mutter ab. "Viel Fleisch, eine gute Legeleistung, schönes Aussehen - in dieser Reihenfolge bewerte ich die Tiere", sagt er. Das Topfmaß haben die Australorps in drei Monaten erreicht. Dann bringen sie etwa zwei Pfund auf die Waage, und die Liebe zum Hobby geht im wahrsten Sinne des Wortes durch den Magen. Der Rennspaß muss warten, bis die Geflügelpest verschwindet. Dann ist die Schenkellänge auch mal wieder das Maß der Dinge.
2003