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Lippische Landeszeitung, Montag, 30. August 2004 
Rasante Hähnchenschenkel
Festhalle Asemissen erlebt "Offene Rennhuhn-Meisterschaft"
Huhn hat keinen Bock: War Vincent Beerling mit seinem "Deutschen Sperber" zunächst siegesgewiss an den Start gegangen (links), macht sich schnell Ernüchterung breit. Der Vogel legte erst mal eine Pause ein (rechts).Überredungskünste: Schließlich konnten Harry Beerling und sein Sohn Vincent das Huhn doch noch zum gemächlichen Gänsemarsch Richtung Ziel bewegen.
Fotos: Salzmann
 
Leopoldshöhe-Asemissen (Sam). Michael Schumacher und das Huhn an sich haben eins gemeinsam: Sie lieben die Farbe Rot. Schumi sitzt die meiste Zeit im roten Ferrari, Hühner setzen sich häufig einen roten Kamm auf. Doch noch etwas verbindet das Federvieh mit dem Formel-1-Weltmeister aus Kerpen: die Leidenschaft fürs Tempo. Rassige Raser zeigten gestern bei der "Offenen Deutschen Team- und Einzel-Rennhuhn-Meisterschaft" in Asemissen, was ihn ihren Hähnchenschenkeln steckt.
Hühnerbrust 'raus - und ab auf die Piste: Vier Teams à zwei Vögel und zwei Menschen gingen am Morgen in der Festhalle Asemissen an den Start, nachmittags folgten die Einzelwertungen mit gut 20 Rennställen.
Als hätten sie Benzin im Blut, jagten die Tiere über den Parcours. Die meisten jedenfalls. Die Hühnchen von Harry Beerling und seinem Sohn Vincent hatten nicht besonders großen Bock. Standhaft weigerte sich das Geflügel, durch den sechs Meter langen Drahttunnel zu hechten. Minutenlang lockten Vincent und sein Vater mit Nudeln und Körnern, ehe sich das Federvieh bequemte. Harry Beerling - er ist mit seiner Familie extra aus den Niederlanden angereist - lieferte eine einleuchtende Erklärung: "Die verstehen kein holländisch!" Kein Wunder: Die Hühner gehören der seltenen Rasse der "Deutschen Sperber" an.
Überredungskünste: Schließlich konnten Harry Beerling und sein Sohn Vincent das Huhn doch noch zum gemächlichen Gänsemarsch Richtung Ziel bewegen.
Doch auch Olaf Schindler hatte so seine liebe Mühe. Hoffnungsvoll war der frisch gebackene Thüringische Rennhuhnmeister an den Start gegangen - aber seine "Schnabeltiere" kamen nicht so recht in Tritt. Das sah mehr nach Gänsemarsch als nach Huhnrennen aus.
Nach dem ersten Lauf analysierte Schindler (Niederschmalkalden) messerscharf: "Die fangen gerade an zu legen, deshalb laufen die nicht." Also gings erst mal ab ins Nest, um das Renngewicht 'runterzuschrauben.
Mit Nudeln, Körnern, Katzenfutter, sogar mit Bockwürstchen versuchten die Züchter, ihren Lieblingen Flügel zu verleihen. Welches Lockmittel wirkt am besten? Renn-Organisator Georg Clasbrummel wollte sich nicht festlegen: "Wahrscheinlich nehmen die Tiere das am liebsten, was sie gewohnt sind."
Gutes Zureden und lecker Fresschen - mehr war als Anschubhilfe nicht gestattet. Georg Clasbrummel - er und sein Kollege Thomas Meise schickten "Australorps"-Rennhühner auf die Bahn - forderte Disziplin. "Jeglicher Ansatz von Treiben - und sei er noch so zart - zieht unweigerlich den Ausschluss des Huhns nach sich", schrieb das Regelwerk vor. "Wir wollen einen liebevollen Umgang mit den Tieren", erklärte Clasbrummel, der seit seiner Jugend Hühner züchtet. Dass auch wirklich alle Tierschutzrichtlinien eingehalten werden, davon überzeugte sich die Amtstierärztin des Kreises Lippe, Dr. Heike Bierwirth-Wiest, persönlich.
Ob Georg Clasbrummel erneut ein Huhnrennen ausrichten wird, ist fraglich. Bei der Vorbereitung musste er Federn lassen. "Der Aufwand ist enorm hoch", betonte der Züchter.
Die Zuschauer werden sich eine Wiederholung sicherlich wünschen. Denn obwohl Schumi am Nachmittag beim Großen Preis von Belgien seinen siebten WM-Titel perfekt machte, zogen viele Leopoldshöher den Besuch in der Festhalle Asemissen vor. Formel 1 soll spannender sein ? Da lachen ja die Hühner
2003